Familienrollen Teil 1

Deine Rolle und die erwachsene Perspektive - Teil 1
Familienhelden und Sündenböcke bzw. schwarze Schafe

In diesem Artikel werde ich die ersten zwei der vier Hauptrollen erklären, die des Familienhelden und des Sündenbocks, auch bekannt als schwarzes Schaf. Dabei werde ich die Muster beschreiben und aufzeigen, wie du deinen eigenen verletzten Anteilen aus einer erwachsenen Perspektive heraus dabei helfen kannst, aus den Rollen auszubrechen und deine einzigartige Persönlichkeit frei zu entfalten.

Jede Familie hat ihre eigene Dynamik. In einer gesunden Familie ist diese Dynamik förderlich für die individuelle Entwicklung eines Kindes und des späteren Erwachsenen.
Doch selbst in den gesündesten Familien lassen sich bestimmte Verhaltensmuster beobachten. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es sich bei den Rollen um Tendenzen handelt und diese der Dynamik der Lebensumstände unterliegen - oft erleben wir verschiedene Anteile zu verschiedenen Zeiten, in unterschiedlichen Ausprägungen.

Dies ist völlig normal. Jedoch neigen Kinder in Familien mit Problemen wie Sucht, narzisstischer Erziehung, Gewalt oder anderen Störungen dazu, diese Rollen zu verstärken, um in der Familie zu überleben und auf ihre Weise dazu beizutragen, dass sie nicht auseinanderfällt.

In vielen Familien übernimmt das älteste Kind oft die Rolle des "Familienhelden" und wird als verantwortungsbewusst und loyal wahrgenommen, während das zweite Kind häufig als "Sündenbock" fungiert, der als rebellisch auffällt. Das dritte Kind neigt entweder als "verlorenes Kind" zur Unsichtbarkeit, bzw. zur Friedensstiftung oder tendiert als "Maskottchen" dazu, besonders humorvoll zu agieren.

Dabei spielen die "Tun"-Rolle (wie wir auf andere wirken) und die "Sein"-Rolle (wie wir unsere emotionalen Probleme lösen) eine zentrale Rolle.


Die vier herausragenden Rollen, die ein Kind in einer Familie übernehmen kann, sind:


1. Familienheld

2. Sündenbock/schwarzes Schaf

3. Das verlorene Kind

4. Maskottchen


1. Familienheld:

Die Rolle des Familienhelden wird oft vom ältesten Kind übernommen. Dieses Kind rettet die Familie, indem es perfekt ist und ihr nach außen hin ein positives Image verleiht. Der Held ist gehorsam, leistungsstark und verantwortungsbewusst. Trotz dieser positiven Eigenschaften zahlt der Familienheld oft einen hohen Preis. Er fühlt sich selten wirklich wohl in seiner Haut und opfert seine eigenen emotionalen Bedürfnisse, um die Familie zusammenzuhalten.

Als Held bist du stets bemüht den Schein nach außen hin zu wahren. Diese Bemühung kann selbst dem stärksten Held auf Dauer zu viel abverlangen.

  • Positive Eigenschaften des Familienhelden:
    Artig, leistungsstark, regelkonform, verantwortungsbewusst, hilfsbereit, organisiert, zuverlässig, erfolgreich, konzentriert.


  • Herausforderungen des Familienhelden:
    Unflexibel, angstvoll vor Intimität, getrieben, unfähig zu spielen, hohe Erwartungen an sich selbst, Ängstlich vor dem Versagen, schwierig, persönliche Bedürfnisse zu erkennen (people pleasing).

  • Innere Gefühle des Familienhelden:
    Arbeitet hart für Anerkennung, erfolgreich, scheint alles unter Kontrolle zu haben, sieht sich als etwas Besonderes.

  • Versteckte Gefühle des Familienhelden:
    Unzulänglichkeit, weil nichts jemals gut genug ist.


Deine Erwachsene Perspektive:

  1. Du darfst lernen, dass du nicht für die Erfüllung aller Bedürfnisse verantwortlich bist.


  2. Fördere das Spiel und den Abbau von Perfektionismus.


  3. Erlaube dir als Familienheld, Fehler zu machen und dich unabhängig von Leistungen wertvoll zu fühlen.


Der Familienheld wird oft in gut funktionierenden Familien sowie in dysfunktionalen Familien beobachtet. Dieses Kind hält sich an die Familienregeln und gibt sein Bestes, um die Familie von außen positiv darzustellen. In dysfunktionalen Familien übernimmt der Familienheld manchmal die Verantwortung überforderter Eltern.

Der Familienheld war für mich eine belastende "Tun"-Rolle. Das bedeutet, ich habe innerhalb der Familie funktioniert, aber gleichzeitig stark gespürt, dass etwas nicht stimmt. Mir ist noch sehr bekannt, wie herausfordernd es war, dieser Rolle, die bereits von meinem älteren Geschwister besetzt war, nicht gerecht werden zu können. Eine starke Spannung entstand in dem Kontrast zwischen Bedürfnissen, meinem eigentlichen Leben und dem Familienleben.


2. Sündenbock oder
schwarzes Schaf:

Der Sündenbock ist oft das zweite Kind in der Familie und wird, wie der Name schon sagt, für viele Probleme verantwortlich gemacht. In Erscheinung tritt er als rebellisch, trotzig, hinterlistig, feindlich und ungehorsam. Der Sündenbock ist oft derjenige, der die Wahrheit in der Familie ausspricht und damit die Probleme verbalisiert, die die Familie zu vertuschen versucht. Der Sündenbock leidet oft unter Selbsthass und kann selbstzerstörerisch sein.

Obwohl du als "Problemkind" oder als “schwarzes Schaf” betrachtet wirst, bist du gleichzeitig das emotional ehrlichste Mitglied der Familie.

  • Positive Eigenschaften des Sündenbocks:
    Hat viele Freunde, guter Gruppenleiter oder Berater, Mut, die Realität zu offenbaren, sensibel gegenüber den Gefühlen anderer, kann gut mit Stress umgehen, zieht Aufmerksamkeit auf sich.


  • Herausforderungen des Sündenbocks:
    Übermäßiger Zorn, Feindseligkeit, Trotz, Wut, Regelverletzungen, mögliche rechtliche Probleme, Unverantwortlichkeit, Manipulation.


  • Innere Gefühle des Sündenbocks:
    Ablehnung, Verletzung, Schuld, Eifersucht, Einsamkeit, Angst, Wut.


  • Versteckte Gefühle des Sündenbocks:
    Selbsthass, selbstzerstörerisches Verhalten, Ablehnung von sich selbst und anderen.


Meine “Sein”-Rolle in der Jugend bis ins junge Erwachsenenalter. Persönliche Erfahrung lehrte mich viel über die Tendenzen des schwarzen Schafes. Als das zweite Kind identifizierte ich mich ab meiner Jugend stark mit der Rolle des Sündenbocks. Meine Bemühungen, die in meiner Familie wahrgenommenen Probleme zu verbalisieren, führten jedoch zu Ablehnung und Scham mit dem Resultat, das ich weniger Kommunizierte. Jahre vergingen, bis ich mich von diesen intensiven Gefühlen befreien konnte.


Deine Erwachsene Perspektive:

  1. Konfliktlösung statt Rebellion: Du darfst alternative Wege der Konfliktbewältigung lernen, statt auf Rebellion zurückzugreifen.


  2. Selbstbewusstsein und authentischer Ausdruck: Lerne wahre Gefühle zu identifizieren und diese offen zu kommunizieren. Versuche deine Motivationen zu verstehen und mitzuteilen.


  3. Erkennen von Schmerz hinter der Wut: Emotionen können oft durch Wut überdeckt werden, und das Verstehen dieser Dynamik ist entscheidend.


  4. Verhandeln anstelle von Rebellion: Erkenne, dass du Kontrolle über deine Wutgefühle hast. Fördere Verhandlungsfähigkeiten, um Konflikte konstruktiv anzugehen.


Diese Erkenntnisse über familiäre Rollen können für dich von großem Wert sein. Indem du dir selber hilfst dich in deiner Rolle zu erkennen oder deinem (inneren) Kind hilfst, sich nicht in einer bestimmten Rolle zu verlieren, förderst du Umstände, indem einzigartige Persönlichkeiten frei entfaltetet werden können.


In der kommenden Woche werden wir uns die Rollen des "verlorenen Kindes" und des "Maskottchens" genauer ansehen, um dir weitergehende Einblicke und Hilfestellungen zu bieten.


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